Bennos


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In Schottland

Eintrag vom 14.07.2018
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Entfernung (Luftlinie): 122,28 km
Max. Höhenunterschied: 165 m


Die Strecke nach Belfast war nicht ohne, aber ich habe es geschafft, bis zur Fähre zu kommen. Beeindruckt hat mich das Hafengelände, welches überhaupt kein Ende zu nehmen schien.

Am Hafen von Belfast
Am Hafen von Belfast

Anders als bei der Überfahrt von Frankreich nach Irland durfte ich dieses Mal nicht mit Muli über das Auto-Terminal auf die Fähre. Stattdessen musste ich mit dem schnöden Fußvolk einchecken, wobei ich schlussendlich doch auf die Fähre rollen durfte. Alles reichlich kompliziert, aber am Ende lief alles glatt.

Die Überfahrt dauerte ca. zweieinhalb Stunden. Ich nutzte die Zeit, um zwei Bier zu konsumieren und zu lesen. Scheinbar kannten sich alle auf dieser Überfahrt. Überall vernahm ich lautes Gelächter und ständig wurde irgendwo abgeklatscht, auf den Rücken geklopft oder jemandem zugeprostet.

In Cairnryan angekommen, schickte mich das Navi direkt einmal eine Dreiviertelstunde bergauf. Dann war Schluss, keine Chance mehr. Der Weg bestand nur noch aus großen Steinen und dichtem Bewuchs. Ich kann Muli nicht tragen, ich bin schließlich nicht Hulk. Schweren Herzens drehte ich wieder um und fuhr die steile Abfahrt zum Ausgangspunkt wieder hinunter. Ich hätte enttäuscht sein müssen, war es aber ob der fulminanten Aussicht über die Berge und das Meer mitnichten.

Ausblick in Richtung Irland
Am steilen Anstieg

Aus Mangel an Alternativen fuhr ich dann über die A77 (Schnellstraße) in Richtung Ballantrae. Nach ca. 10km bog ich nach links auf eine kleinere Straße ab. Diese Straße wurde alsbald zum Weg und schließlich zum Pfad. Es war so steil, dass ich schieben musste.

Als ich allerdings endlich auf Höhe der Gipfel war, wich die Anstrengung einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit. Kein Haus, kein Mensch, keine Spur von Zivilisation war weit und breit auszumachen.

Vor Ballantrae
Idyllischer Schlafplatz

Zum Abendbrot gab es einen zünftigen Kaffee und Nudeln mit Tomatensauce. Einfach lecker, wenn man Hunger hat.

Kochkurs vor Ballantrae
Kochkunst am Abend

Es war so ruhig, dass ich in der Nacht mehrfach aufgewacht bin. Es war einfach so ungewohnt, denn normalerweise sind immer irgendwo Geräusche zu vernehmen.

Am nächsten Morgen wurde ich vom Blöken einiger Schafe geweckt. Ich drehte mich aber noch einmal rum und wachte das nächste Mal um halb zehn auf, als der Wind zunahm und die Zeltwände zum Rascheln brachte.

Das Wetter schien umzuschlagen und so packte ich in Rekordzeit von zwanzig Minuten alles zusammen und saß auf dem Rad. Nach einer guten Stunde war ich in Ballantrae und gönnte mir zum Frühstück ein Stück Käsekuchen und einen Kaffee.

Vor Lendalfoot
Ailsa Craig immer im Westen

Bis nach Turnberry fuhr ich auf der A77 weiter, bis sich plötzlich der Verkehr staute und schließlich gar nichts mehr ging. Auch sah ich eine Hundertschaft Polizisten, die alle Zufahrtsstraßen nach Turnberry blockierten. Ich fragte einen Polizisten “What’s going on here?!”. Er sagte “The street is closed.”. Ich dachte mir, “ja, das sehe ich auch, aber...”, also fragte ich ihn, warum die Straße gesperrt sei. Er sagte, dass der US-Präsident hier sei. Ich dachte erst, er verarscht mich, aber dann fiel mir wieder ein, dass ja kürzlich ein Treffen mit der Queen stattgefunden hatte. Nach einer kurzen Recherche bei BBC bestätigte sich die Aussage des Polizisten, Kollege Trump ist mal eben übers Wochenende zum Golfen hier. Ich meine, warum auch nicht?! Jedem der arbeitet, steht Urlaub zu - ob das auch für twitternde Phrasendrescher zutrifft, weiß ich allerdings nicht...

Wie dem auch sei, Dank Donalds dämlichen Spieltriebes durfte ich zwanzig Kilometer Umweg fahren - und das an einem Ort, wo ich nie im Leben damit gerechnet hätte.

Der Rest der Strecke verlief ohne erwähnenswerte Vorkommnisse. Kurz bevor ich im B&B des heutigen Tages ankam, machte ich noch eine Pause, bei der ich - ob meiner Adleraugen - eine Zecke im Larvenstadium (~0.5mm) auf meinem rechten Oberschenkel entdeckte und sogleich mit den Fingernägeln entfernte. Ich kann nicht mal sagen, ob sie gestochen hat, oder nicht, da ich vor lauter Schreck gleich ein großes Stück Haut mit explantierte... Naja, bisher sieht alles gut aus und ich werde die Stelle beobachten.