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Dieppe - Lillebonne

Eintrag vom 22.06.2018
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Entfernung (Luftlinie): 62,83 km
Max. Höhenunterschied: 42 m


Was für ein herrlicher Tag. Ein paar Schäfchenwolken zogen gemütlich am Himmel entlang und wollten mir wohl vermitteln, dass es heute garantiert nicht mehr regnen wird.

Wieder einmal fuhr ich durch endlose Weizenfelder, deren goldene Ähren und Grannen sich im lauen Wind wogen wie das geschmeidige Fell einer sich sonnenden Löwin. Der Flachs blühte in herrlichem Blau und tauchte die sonst so grüne Landschaft in ein Meer aus unzähligen, leuchtenden Pigmenten.

Flachsfeld hinter Auppegard
Typisches Flachsfeld

Im ersten Teil der Strecke mussten zwei sehr steile Anstiege bewältigt werden, allerdings wurde ich jedesmal mit fantastischen Abfahrten, die grenzenlosen Weitblick boten, belohnt.

Kurz vor Yvetot machte ich dann die erste Pause nach ca. 30 gefahrenen Kilometern. Im Schatten eines Baumes biss ich in einen sattgrünen Apfel und war plötzlich mit Allem zufrieden.

Kirche in Saint-Lautent-en-Caux
Kurze Verschnaufpause

In Yvetot selbst machte ich Mittagspause, welche aus der Einkehr in eine winzige Bar am Straßenrand, einem großen Radler und einem „Grand Café“ - sonst bekommt man immer nur diese Espresso-Verschnitte - bestand.

In Lillebonne tätigte ich noch den Einkauf für die nächsten zwei Tage, wobei ich Klopapier in solchen Mengen kaufen musste, dass es wohl noch für die nächsten Monate reichen wird. Dann ging es das letzte Stück steil bergauf zum Ziel: der Campingplatz in Saint-Antoine-la-Forêt.

Davon abgesehen, dass es keine Rezeption o. Ä. gibt, die Sanitäranlagen aus dem vorletzten Jahrhundert zu sein scheinen und dass ich auch über das Telefon niemanden erreichte - dem ich mein Geld anvertrauen konnte - ist es ganz nett hier.

In Saint-Antoine-la-Forêt
Wahnsinnig voll hier...

Es gesellte sich dann doch noch ein Radlerpaar aus Holland dazu. Ich kam mit ihnen ins Gespräch und bot ihnen Klopapier an. Wie ein Hehler kam ich mir vor - leider wollten sie keins, noch nicht mal umsonst. Im Gegensatz zu mir hätten sie auf jedem Campingplatz welches vorgefunden...

Ich weiß ja nicht, in welchem Frankreich die Beiden unterwegs waren, aber in dem Frankreich, was ich kenne, gibt es nie Klopapier. In der Regel gibt es auch keine Klobrillen. Manchmal wird auch an der Schüssel gespart, so dass dort nur ein süffiges Loch mit zwei Tritten rechts und links daneben ist, deren Rillen andeuten, dass man sich mit den Füßen daraufstellen soll und... - ich erspare Euch mal weitere Details.

Ähnlich ist es mit dem öffentlichen Nahverkehr. Wenn es eine Bushaltestelle gibt, heißt das nicht unbedingt, dass dort auch ein Bus verkehrt. Ich habe Haltestellen gesehen, denen mangelte es am Fahrplan, Scheiben, sowie der sonst üblichen Sitzbank. Vielleicht dient dies der Prävention von Vandalismus? Eigentlich naheliegend, denn wo nichts ist, da kann man auch nichts kaputtmachen. Und wo keine Sitzbank ist, da kann man auch nicht rumhängen und auf dumme Gedanken kommen. Vielleicht sollte man dieses Konzept in Deutschland einmal ausprobieren...

Aber ich schweife ab. Zum Abendbrot gab es heute etwas ganz Feines. Hackfleisch an Zwiebeln, Reis und verrührt mit einer Thai-Curry-Matsche aus dem Glas. Natürlich habe ich wieder für eine ganze Fußballmannschaft gekocht. Aber halb so schlimm, denn so kann ich morgen noch davon zehren.

In Saint-Antoine-la-Forêt
Wie in der Nikolaistraße

Morgen überquere ich die Seine und fahre wieder in Richtung Atlantik.