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Bonjour, ça va?

Eintrag vom 06.06.2018
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Entfernung (Luftlinie): 219,1 km
Max. Höhenunterschied: 190 m


Schneisingen - Schwörstadt (56km)

Tatsachlich habe ich es irgendwie geschafft, vom Züricher Flughafen bis nach Schneisingen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu gelangen. Ich musste ganze zweimal umsteigen und dabei sogar noch das Fortbewegungsmittel wechseln - wenn das bei meinem Talent keine Leistung ist, dann weiß ich es auch nicht.

Am Flughafen Zürich
Am Flughafen Zürich

An diesem Tag hatte ich noch ein gutes Stück vor mir. Das Wetter war fantastisch und so fuhren sich die 56km fast wie von allein. Die erste Strecke zum Rhein verlief über kleinere Wege, die gesäumt waren von Mais- und Erbsenfeldern.

In Albbruck
In Albbruck

Dann ging es fast ausschließlich am Rhein entlang. Angenehme, schattige Passagen wechselten sich ab mit verschlungenen Wegen durch kleine Ortschaften. Gerade, weil auf diesem Stück noch keine Schifffahrt möglich ist, empfand ich diese Etappe als sehr reizvoll.

Kurz vor Schwörstadt verlief die Strecke durch ein kleines Naturschutzgebiet, wo ich ein paar Reiher beobachten konnte. Kleine Eidechsen huschten geschwind über den Weg und unzählige Libellen und Schmetterlinge begleiteten mich.

Als ich in Schwörstadt ankam, war ich ernüchtert, da es am ersehnten Zeltplatz mangelte. Er war einfach nicht mehr da. Nur ein verlassenes Bierzelt, dessen Planen vom Wind in Fetzen gerissen waren, erinnerte noch daran, dass hier einmal mehr gewesen sein musste. Ich war müde und hatte auch keine Lust mehr, ewig weiter zu suchen, also ging ich in das nächste Hotel, was ich fand.

Abends saß ich noch mit zwei älteren Radlern am Tisch - Holländer. Nach anfänglichen Sprachproblemen hatten wir uns dann auf einen Mix aus Deutsch und Englisch „eingegroovt“.

Bevor ich mich ins Bett legte, musste ich mir noch dringend die Haare schneiden. Bei der Affenhitze zur Zeit ist jedes Haar zu viel.

In Schwörstadt

Schwörstadt - Hochstetten (96km)

An diesem Morgen wurde ich - etwas vorwurfsvoll - telefonisch von der Rezeption geweckt, ob ich denn vielleicht noch frühstücken wolle. Es war schon zehn vor zehn und ich beeilte mich, dass ich noch etwas vom Büffett erhaschen konnte.

Ich hatte mir kein richtiges Tagesziel für den heutigen Tag gesteckt. Es stand für mich nur fest, dass ich immer den Rheinradweg entlang fahren würde, bis ich keine Lust mehr hätte. Also ließ ich konsequenterweise das Navi den gesamten Tag über ausgeschaltet. Ich muss schon sagen, dass man viel entspannter unterwegs ist und mehr Eindrücke einfängt, wenn man nicht ständig auf dieses Gerät schaut. Leider sind die wenigsten Wege so gut beschildert, wie der Rheinradweg.

Nach ca. 30km war ich bereits mitten in Basel - und zwar versehentlich im Rotlichtviertel - gelandet. In diesem kleinen Areal ist es tatsächlich erlaubt, dass die Prostituierten auf offener Straße den Freiern hofieren dürfen. Ich trat etwas fester in die Pedale und verkrümelte mich schnellstmöglich aus dieser zwielichtigen Gegend.

In Basel
Theodorskirche
Theodorskirche
Florastraße
Huch - im Rotlichtviertel gelandet

Gegen späten Mittag kehrte ich, mit der Absicht etwas zu essen, in einer Gaststätte in Märkt ein. Natürlich war bereits Küchenschluss, aber bei den überhöhten Preisen wäre mir das Schnitzel wohl eh im Halse stecken geblieben. Also trank ich nur das Übliche und machte mich bald wieder auf den Weg.

In Märkt
Auftanken

Immer weiter am Rhein in nördlicher Richtung führte der Weg entlang. Als besonders schön empfand ich, dass kaum noch Menschen auf dem Weg anzutreffen waren und man die Natur richtig genießen konnte.

Am Rhein
Rheinblick
Rheinradweg
Idyllisch

Gegen halb acht kam ich dann etwas erschöpft in Hochstetten auf dem Zeltplatz an. Zum Abendbrot gab es dann Reis mit Tomatenpampe und Thunfisch. Dazu noch irgendeine XY-Krone aus dem Aldi - total lecker...

Hochstetten - Kehl (83km)

Was für ein Tag, einfach nur schlauchend. Bis auf die Bäckerei in Breisach kam die gesamte Strecke - bis nach Strasbourg - keine einzige Möglichkeit zur Einkehr oder zum Einkaufen.

In Breisach
Frühstück in Breisach

Selbst die schönste Landschaft verliert irgendwann ihren Reiz, wenn sie sich ständig wiederholt und damit austauschbar wird. Der permanente, teils böige Gegenwind am Rheinkanal und die unerbittliche Sonne taten ihr Übriges, um der einst guten Laune einen Stich zu versetzen. Eine kurze Erfrischung in einem Badesee nahe Burkheim konnte die Stimmung aber kurzzeitig wieder anheben.

Badesee nahe Burkheim

Immer am Rhein entlang, hatte ich irgendwann die Nase voll und bog nach rechts in den Wald ein. Das war zwar auch nicht spannender, aber schattiger.

Kieswerk

Nach dem großen Wasserkraftwerk erhoffte ich mir einen Wendepunkt im streng monotonen Anstieg, leider blieb dieser aus.

Am Wasserwerk
Schiff „Marla“ am Wasserwerk

Nach ein paar Kilometern über mäßig befahrene Landstraßen und Dörfchen, in denen - so vorhanden - alle Läden geschlossen hatten, kam die nächste triste Strecke, die mich des Öfteren laut brüllen lies, wenn niemand in der Nähe war. Ein künstlich angelegter Kanal, der über 20km schnurgerade geradeaus ging. Eine kleine Bar am Rande zur Erfrischung?! Fehlanzeige!

Anschließend folgte noch Großstadtgedrängel in Strasbourg, aber ich nahm es stoisch auf, klingelte ununterbrochen und ignorierte die schimpfenden Fußgänger, die mit einem Fuß auf dem Radweg liefen.

Irgendwann kam ich dann auch tatsächlich in Kehl an. Nach Zeltaufbau, duschen und nochmal fluchen bin ich in den ansässigen Kiosk gewackelt, habe ein schönes Steak und das ein oder andere Bier verputzt. Egal, wie der Tag war, jetzt geht es wieder besser.

In Kehl

Kehl - Niederschaeffolsheim (30km)

Den heutigen Tag konnte ich bei der kurzen Distanz ganz entspannt angehen lassen. Eine Ferienwohnung hatte ich mir für die nächsten beiden Tage gebucht, da ich das Gefühl hatte, eine Pause zu brauchen. Das Wetter war wieder drückend heiß, so dass man im Grunde gar keine Pause machen will, da dann der kühlende Fahrtwind fehlt.

Die Vororte von Strasbourg zogen sich fast 20km. Die Stadt selbst beherbergt ja nur ca. 280.000 Einwohner, in der Peripherie sind es aber an die 700.000 - und das merkt man deutlich an der Verkehrsdichte sowie dem Fahr- und Parkverhalten.

Bei Strasbourg
Kein Klischee

Da ich mich schließlich gerade im Elsass befand, durfte ein Verzehr eines Flammkuchens nicht fehlen.

Bei Vendenheim
Elsässischer Flammkuchen

Gegen frühen Nachmittag konnte ich bereits in meine Ferienwohnung, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe.

In Niederschaeffolsheim
Entspannung pur

Ich hoffe, dass es hier heute noch einmal regnet, denn die Temperaturen liegen bei ungefähr 33 Grad und man schwitzt bereits, wenn man nur an Fahrradfahren denkt.