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Nach und in Schaffhausen

Eintrag vom 17.05.2018
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Entfernung (Luftlinie): 59,64 km
Max. Höhenunterschied: 42 m


Immenstaad - Schaffhausen (83km statt 58km)

Gegen 11:00 Uhr machte ich mich auf den Weg in Richtung Meersburg. Das Wetter war wieder sehr grau und dazu durchgehend nass. Aber ich konnte nicht länger auf besseres Wetter warten, denn die Ferienwohnung war gebucht und ich war zudem mit meinem guten Freund Stefan in Schaffhausen zum späten Nachmittag verabredet.

Während ich durch den Regen strampelte, ist mir aufgefallen, dass es für Schirme zwar passende Präfixe gibt, für Brillen aber nicht. Wie dem auch sei, die Sonnenbrille eignet sich auch prima als Regenbrille.

Vor Meersburg
Am Bodensee

Ich war sehr beeindruckt von der Größe des Bodensees und der Geschwindigkeit, mit der die Fähre über das Wasser hüpfte. Dennoch dauerte die Überfährt mit der Fähre keine zwanzig Minuten. Natürlich erntete ich wieder erstaunte Blicke, da ich der Einzige mit einem Fahrrad auf der Fähre war - und das bei dem Regen.

Auf der Fähre nach Konstanz
Auf der Fähre nach Konstanz

Ich war total zufrieden, dass mit der Überfahrt alles reibungslos geklappt hat und so ging es direkt weiter in Richtung Schaffhausen. Es lief richtig gut, aber ich hatte den Schutzheiligen wahrscheinlich missverstanden.

Vor Reichenau
Nicht weiterfahren...

Als ich in Reichenau ankam, schüttete es wie aus Kübeln und vor mir lag nur eine große Wasserfläche. Ich zoomte aus der Nahansicht des Navis und stellte fest, dass ich mich auf einer Halbinsel mitten im Zeller See befand. Dann las ich das Schild „Solarfähre Reichenau“.

Nun ist mir ja bekannt, dass Solar etwas mit Sonne zu tun hat, aber die war ja bereits seit Tagen nicht mehr zu sehen. Ich hatte also meine Bedenken, ob die Akkus der Solarfähre bis heute durchgehalten hätten. Auf dem Fahrplan stand „Reichenau - Mannenbach 14:27 Uhr“. Das wäre in eineinhalb Stunden gewesen. Mir war ohnehin kalt und das Café um die Ecke hatte geöffnet.

Wie ich so mein Schnitzel „Jäger Art“ in mich reinschaufelte und immer wieder zum schiffslosen Ufer blickte, beschlich mich der Gedanke, dass heute ob des Wetters vielleicht gar keine Fähre mehr an- oder ablegt. Also rief ich beim Fährbetrieb an, der mir das mit den Worten „Ne, heute fährt nix - steht doch eindeutig im Fahrplan!“ bestätigte. Naja, wieder ein Beweis dafür, dass ich und öffentliche Verkehrsmittel so kompatibel sind wie Feuer und Wasser.

Gut, die Möglichkeiten waren nun sehr überschaubar. Entweder, Suizid im Zeller See, oder, wieder zurück bis kurz vor Konstanz. Ich entschied mich widerwillig für Letzteres. Dies bedeutete einen völlig sinnfreien und vermeidbaren Umweg von knapp 25 Kilometern. Ein Glück wurde das Wetter noch schlechter, denn nun kam auch noch Gegenwind hinzu - herrlich.

In Singen
Blick auf die Herzogsburg

Ich bin ja bekennender Atheist, aber manchmal glaube auch ich. Es gibt Zeichen, die im richtigen Moment einfach nicht ignoriert werden können und einem Kraft geben - man muss nur die Augen offen halten.

In Gottmadingen
Motivationsschub

Kurz vor 18:00 Uhr kam ich dann endlich in der Ferienwohnung an, nahezu zeitgleich mit Stefan. Wir hatten uns schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen und so gab es viel zu erzählen, wobei die Zeit wie im Flug verging.

In Neuhausen
Wie in guten alten Zeiten

Am Ende des Tages waren die Strapazen des Tages ganz schnell wieder vergessen - getreu dem Motto „der Schmerz geht, der Stolz bleibt.“.

Der Rheinfall

Ich finde kaum beschreibende Worte für dieses Ungetüm an Wassermassen, die in unfassbarer Lautstärke in die Tiefe donnern. Das Wasser war so weiß, dass meine Augen durch die Helligkeit schmerzten. Die Gischt war auf meiner Haut zu spüren und dieser Geruch nach aufgewühltem Wasser - den wahrscheinlich nur ehemalige Kanuten kennen - ließen mich in Ehrfurcht erstarren und atemlos auf die unfassbare Kraft der Natur blicken.

Auf der Eisenbahnbrücke oberhalb des Rheinfalls
Auf der Eisenbahnbrücke oberhalb des Rheinfalls
Rheinfall oben
Rheinfall von oben
Rheinfall halbe Höhe
Rheinfall zum Anfassen
Rheinfall unten
Rheinfall unten

Ich war - und bin es noch - überwältigt von dieser Wuchtigkeit und den unaufhaltsamen Wassermassen, die in jedem Moment dort herunterstürzen.

Rheinfall von Schaffhausen aus gesehen
Sprachlos, überwältigt und zufrieden

Die Rheinfälle waren das erste große Ziel auf meiner Reise. Sie nun endlich mit eigenen Augen gesehen zu haben, macht mich unbeschreiblich glücklich. Ich fühle mich angekommen, obwohl die Reise erst begonnen hat.

Morgen geht es dann weiter nach Schneisingen zu meiner guten alten Paddelfreundin Wienke.