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Allgäu

Eintrag vom 14.05.2018
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Entfernung (Luftlinie): 123,32 km
Max. Höhenunterschied: 225 m


Ulm - Eufnach (88,5 km)

Mir graute es vor dieser Etappe, weil sie die bisher Längste war und es den ganzen Tag kontinuierlich bergauf gehen sollte. Am Nachmittag waren am Zielort Gewitter vorhergesagt. Ich musste mich also sputen, oder zeitig aufstehen - ich tat beides.

Aus diesem Grund stand ich bereits um viertel acht am Frühstücksbüffet. Ein bisschen Rührei, ein Brötchen, etwas Obst und Saft, den obligatorischen Kaffee und dann ging es auch schon ans zusammenpacken. Bereits dreiviertel neun saß ich im Sattel - neuer persönlicher Rekord.

Vor Pleß
Traumhaftes Radwetter

Bis nach Memmingen fuhr es sich im Großen und Ganzen ganz gut. Die stetige Steigung merkte man fast nicht, so dass ich guter Dinge in einer Bäckerei eine längere Pause einlegte.

Nach Memmingen wurde es allerdings sehr zäh. Die Steigung nahm zu und man kam irgendwie nicht mehr so richtig voran. Allerdings konnte ich nahezu die gesamte Strecke auf Fahrradwegen fahren, das war ein Genuss.

Straße fahren ist grundsätzlich auch nicht schlimm, nur an steilen Bergen, die man im Schneckentempo hochkriecht, fühle ich mich mit Verkehr im Rücken nie ganz wohl. Wenn der 40-Tonner plötzlich an einem vorbei donnert, obwohl man selbst die nächste Kurve überhaupt nicht einsehen kann, fragt man sich schon, wer von uns beiden die größere Macke hat.

Schloss Ottobeuren
Schloss Ottobeuren

Nach vielen Stunden Fahrt taten sich plötzlich - als wären sie gerade aus dem Erdinneren aufgestiegen - am Horizont die Alpen auf. Ich war schon etliche Male in den Alpen und auch im Alpenvorland wandern, aber dieser Anblick haute mich wirklich um.

Kurz vor Eufnach
Das erste Alpenpanorama

Am frühen Nachmittag kam ich dann sichtlich erschöpft in Eufnach an. Thomas war da, das Bier war wie verprochen kalt gestellt - danke nochmal - und so genossen wir die warme Nachmittagssonne auf dem Balkon.

Am Sonntag gönnte ich mir dann einen Tag Pause. Diesen hatten meine Oberschenkel auch bitter nötig. Sie waren nur zufrieden, wenn ich stand, saß, oder lag. Jegliche Transition zwischen diesen Zuständen quittierten sie mit leichtem Schmerz und der Aufforderung „Lass das gefälligst!“.

Eufnach - Röhrenmoos (63km)

Heute hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen von Thomas, Sarah und der kleinen Laura (eigentlich nicht, hier aber besonders schüchtern).

In Eufnach
Verabschiedung von den drei Gastgebern

Die Wettervorhersage war ziemlich eindeutig - irgendwann wird es heute definitiv regnen. Die Frage war nur, wie schlimm wird es mich erwischen.

Hinter Eufnach
Trübe Aussichten

Wir sind sehr früh aufgestanden, so dass ich wieder gegen halb neun auf dem Rad saß und mich in Richtung Wangen aufmachte. Der erste größere Berg in Kempten wartete an der Kuppe mit einer kleinen, aber feinen Bäckerei auf, bei der ich mein zweites Frühstück einnahm - neidische Blicke blieben da nicht aus.

In Kempten
In Kempten

Die folgenden acht Kilometer ging es dann nur noch bergauf. Dafür kam anschließend eine mindestens genauso lange Abfahrt. Auf der Hälfte wurde es mir durch den Fahrtwind so kalt, dass ich erst einmal eine weitere Jacke anziehen musste. Das Wetter war kühl und die Luftfeuchtigkeit war so hoch, dass man nass wurde, obwohl es überhaupt nicht regnete. Ab Beuren regnete es dann aber tatsächlich. Aber es war nicht so schlimm, da es sich nur um leichten Nieselregen handelte.

In Beuren
Leider gab es nur Diesel...

Ich weiß auch nicht, was heute los war. Die knapp 63km habe ich in vier Zeitstunden (inkl. Pausen) durchgeprügelt. Plötzlich stand ich halb eins auf dem Zeltplatz und wusste gar nicht, wie mir geschah. Das Zelt konnte ich in einer Regenpause aufbauen, so dass alles trocken geblieben ist. Gerade eben sind auch die einzigen anderen beiden Gäste abgereist. Jetzt bin ich hier ganz allein und kann mich nicht entscheiden, ob ich das gut oder doof finde.

In Röhrenmoos
Alles trocken geblieben

Nachher werde ich noch die Sterne-Küche auspacken - d. h. Nudeln mit Sauce Bolognese zusammenrühren und dann hoffen, dass es nicht die ganze Nacht durchregnet. Morgen geht es in Richtung Meersburg, das direkt am Bodensee liegt.